Zehn Sätze: Wolkenlos chaotisch ²

Das Bett war sehr niedrig und rundherum war der schmutzige Linoleumbelag übersäht mit Brandstellen, die alle von der „obligatorischen Zigarette“ danach stammen mussten. Die Bettwäsche wies auf den ersten Blick Knitterspuren auf, und auf den zweiten auch eindeutige Gebrauchsspuren. Wie viele Paare hier schon in inniger Umarmung sich ihren sexuellen Gelüsten hingegeben hatten, konnte man an der Anzahl der ausgedrückten Zigaretten multipliziert mit den Flecken auf dem Laken, durchaus ablesen. „Ganz Paris träumt von der Liebe“, dachte ich und dass hier nicht nur geträumt wurde, bestätigte uns das Bett. Das Etablissement war eine Absteige wie ich sie mir schlimmer nicht vorstellen konnte. Von den Holzfensterrahmen blätterte die Farbe und ich öffnete vorsichtig die Fensterflügel, um dem Potpourri der Düfte aus Muff, Schweiß und Liebe die Flucht ins pulsierende Paris zu ermöglichen. Wir schauten uns an und fingen an zu lachen bis mir die Tränen über die Wangen liefen. Das Augen-Make-Up, eindrucksvoll und nicht gerade sparsam aufgetragen, hinterließ schwarze Schlieren in meinem Gesicht. „Fühl doch mal, ob die Laken noch warm sind“, schlug ich vor, „ich glaube, es ist ein Bett, das niemals erkalten darf.““Wir lachten beide über diese Vergnügungshöhle und die Situation barg eine Vertrautheit, die beinahe etwas Romantisches hatte… aus:  „WOLKENLOS chaotisch² „, Brigitte Vollenberg, Cenarius Verlag Hagen, ISBN 978-3-940680-42-6

 

 

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