„Ins neue Jahr hineinschreiben“ – ein Erfahrungsbericht über ein Schreibseminar in Vreden

Mittwochs, am 2.1.2013, stemmte ich, bepackt mit einer ziemlich schweren Tasche voller Schreibutensilien und ziemlich müde, die Tür zum VHS Haus in Vreden auf. Nach vierzig Minuten Fahrt, koffeinfrei losgefahren, stürzten sich meine Augen zunächst nur auf eins: Kaffee! Kaffee, der duftend das ganze Haus erfüllte. Ok – mit dem nächsten Blick nahm ich dann natürlich auch die anderen Schreibwütigen und  den Leiter des Schreibsminars wahr, die mich freundlich begrüßten.

Wir waren sieben. Sieben Menschen, die sich vorgenommen hatten, sich in den nächsten drei Tagen von 9-16 Uhr ausschließlich der „Schreiberei“ zu widmen. Unser Grüppchen war alles andere als homogen. Nicht nur unsere Erwartungen und Zielsetzungen wichen von einander ab, auch die Art, wie wie wir uns schreibend ausdrückten und die Genre, die wir bedienten, schienen nicht in einen Topf zu passen.

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Gleich nach dem Kaffee und  der ersten Begrüßung und der Vorstellung unserer Projektideen wurden wir gequält. Nämlich mit der Notwendigkeit, uns einen dieser sieben Schreibplätze auszuwählen, die für uns hergerichtet worden waren. Die Qual der Wahl! Unsere Plätze waren im gesamten Haus verteilt, sodass jeder für sich in Ruhe arbeiten konnte. Jeder bekam einen Raum für sich, einen Schreibtisch und – ganz wichtig! – eine Steckdose für den Laptop! Zum Glück, denn das Akku meines Netbooks schwächelt seit Wochen und da ich ein altes Manuskript zu einem spannenden Thriller umarbeiten wollte, wollte ich nur ungern auf mein Notizbuch zurückgreifen.

Tja – da saß ich dann, in einer völlig fremden Umgebung, und sollte meine kreativen Ideen sprießen lassen. Zuerst mal noch einen Kaffee! Dann nahm ich mir mein Projekt vor: „Tentakel des Himmels“, ein Thriller um eine Sekte. Und dann trat das ein, was ich gehofft, aber nicht unbedingt erwartet hatte: Während der Arbeit in den fremden Räumen, weitab von Anrufen, Blogarbeiten, Büchern, Internet, Kinder, Enkel und nach Arbeit schreiender Wäscheberge, erlebte ich eine Konzentration auf meinen Text, die ich zu Hause nie gehabt hätte. Es ließ sich prima Schreiben, ohne Störung und völlig allein im Raum. Nur der Kaffeeduft aus dem Nebenraum lenkte mich schon mal ab.

Nach weiteren drei Kaffees und fünf Seiten Spannung auf meinem Netbook, endete die Schreibzeit des ersten Vormittags. Der Mittagstisch winkte mit vegetarischem Auflauf und verführerischem Dessert. Mist – eigentlich wollte ich im neuen Jahr Diät machen!

So ein Mittagspäuschen lädt zum Quatschen ein und so lernten wir Teilnehmer uns ein bisschen besser kennen. Noch besser lernten wir uns durch das Vorstellen und Lesen unserer Texte kennen. Kreative Texte sind so individuell, wie der Autor. Ein bisschen geheime Gedankenwelt gibt man immer preis, wenn man schreibt.

Wir hörten spannende Ausschnitte von spannenden Projekten. Zum Beispiel den Anfang eines Romans über ein Bild von Nikolas Poussin oder den Teil einer humorvoll geschriebenen Geschichte über einen Deutschen mit arabischer Abstammung. Zeitgenössische Lyrik versetzte uns in die Zeit der fünfziger und sechziger Jahre und der Versuch eines philosophisch geprägten Essays brachte uns zum Grübeln.

Diese drei Tage verschmolzen sieben ganz unterschiedliche Menschen zu einer harmonischen Schreibwerkstatt, in der jeder wohlgemeinte Kritik äußern und empfangen mochte, auch Dank der umsichtigen Leitung von Dr. Nikolaus Schneider, dem Direktor der VHS Ahaus, der auch mit Vorschlägen für die weitere Bearbeitung weiterhalf.

Unsere Erwartungen an dieses Seminar waren zum Teil sehr unterschiedlich: Überarbeiten und ordnen von Texten, Charaktere herausbilden, Schreiben als Selbstausdruck und zur Selbstfindung, Überarbeitung von Romanen … Schreiben lernen, ins Schreiben hineinschnüffeln …

Aber viele Erwartungen waren auch gleich: Zeit zum Schreiben finden, Ähnlichgesinnte treffen, Suche nach Motivation und Inspiration …

Alle Teilnehmer fanden ihre Erwartungen am Ende des Seminars erfüllt und wünschen sich eine baldige Wiederholung. Und das Fazit für mich: 32 gut überarbeitete Seiten des neuen Romans. Der Wunsch,  zu Hause Strukturen zu schaffen, um ungestörter und konzentrierter schreiben zu können. Feste Zeiten festlegen, feste Räumlichkeiten wählen und keine Ablenkung dulden. Naheliegend wäre das Schreiben an einem anderen Ort. Vielleicht in der Bücherei oder in einem Café? Einen Vesuch wäre es wert.

Aber einen Kritikpunkt habe ich anzumerken: Der Nachtisch nach dem Mittagessen war eindeutig zu lecker! So wird das ja nichts mit der Diät!

Wer neugierig ist, was ich da zu Papier gebracht habe —> Leseprobe

Dies war ein Bericht über das Schreibseminar: „Ins neue Jahr hineinschreiben“, angeboten vom aktuellen Forum VHS, Veranstaltungsort VHS Vreden, Leitung Dr. Nikolaus Schneider, 2.-4.1.2013

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