aktuelles forum VHS: Schreibwerkstatt, Lesekreise, Lesungen und „Sieben auf einen Streich“-Interview mit Dr. Nikolaus Schneider

aktuelles forum VHS – das ist die Volkshochschule von gleich sieben Städten und Gemeinden. In einem Zweckverband gehören dazu

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Mit einem umfangreichen Literatur-Programm bietet das aktuelle forum VHS mehrere Lesekreise, eine Schreibwerkstatt und regelmäßige Autorenlesungen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Bibliotheken und Buchhandlungen. Im September 2011 veranstaltete das aktuelle forum VHS erstmals das Festival „Sieben auf einen Streich. Junge Literaturtage Westmünsterland“, das so erfolgreich war, dass für 2014 eine zweite Auflage geplant ist.

VHS-Direktor Dr. Nikolaus Schneider in einem Interview mit LitBorken:

LitBorken: Welche Rolle spielt der Bereich Literatur im Gesamtprogramm der VHS?

Dr. Nikolaus Schneider: Das aktuelle forum pflegt seit vielen Jahren ein umfangreiches Literaturprogramm. Dabei gibt es zwei Grundanliegen: einerseits werden qualitativ hochwertige Autorinnen und Autoren in die Region eingeladen, andererseits werden die Menschen in der Region aufgefordert, literarisch aktiv und kreativ zu sein: durch Lesekreise sowie durch Schreibwerkstätten.

LitBorken: Und wie wird das Literaturprogramm von den Bürgern angenommen?

Dr. Nikolaus Schneider: Die wichtige Frage an eine Literaturveranstaltung lautet: „War sie gut?“ Erst an zweiter Stelle steht die Frage: „War sie gut besucht?“ Hertha Müller hat vor Jahren an unserer VHS vor sieben Teilnehmer/innen gelesen. Aber natürlich gibt es auch Veranstaltungen mit sehr starker Resonanz. Das Literaturfestival „Sieben auf einen Streich“ hat fast 3.000 Teilnehmer/innen erreicht, vor allem Jugendliche.

LitBorken: Die Veranstaltung „Sieben auf einen Streich. Junge Literaturtage Westmünsterland“ war ein Erfolg. Nun soll es 2014 eine Neuauflage dazu geben. Wird die Veranstaltung dem bewährten Muster folgen oder dürfen wir auf Überraschungen gespannt sein?

Dr. Nikolaus Schneider: Was sich bewährt hat, soll nicht bereits im zweiten Durchgang verändert werden. Überzeugend war, sieben Autor/innen einzuladen, die alle fünf Tage lang in der Region anwesend waren, zusammen in einem Haus gewohnt haben und sehr unterschiedliche Veranstaltungsformate (Großlesungen an Schulen, Gespräche, Workshops) gegeben haben. Was wir in diesem Rahmen neu machen werden, wird jetzt natürlich noch nicht verraten.

LitBorken: „Sieben auf einen Streich“ richtete sich an junge Leser. Ist eine ähnliche Veranstaltung auch für erwachsene Leser in den Gemeinden des VHS-Verbundes denkbar?

Dr. Nikolaus Schneider: Wir können als VHS nicht parallel zwei Literaturfestivals auflegen. Unsere Idee ist eher, in den jungen Literaturtagen regelmäßig Elemente zu haben, die auch Erwachsene ansprechen. Das war beim ersten Durchgang so, wo es Abendlesungen und eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Lesens gab; das wird auch beim zweiten Durchgang so sein.

LitBorken: Viele heimische Autoren/Autorinnen beklagen die mangelnde Vernetzung im Kreis Borken. LitBorken möchte dem mit dem bestehenden Internetportal und  dem geplanten Autorenstammtisch Rechnung tragen. Sehen Sie noch weitere Möglichkeiten von Vernetzung?

Dr. Nikolaus Schneider: Wichtig scheint mir vor allem, dass die Autorinnen und Autoren selbst ihre Wünsche nach Vernetzung artikulieren. Insofern finde ich es gut, mit einem Stammtisch zu beginnen. Wenn sich dort Charaktere finden, die etwas miteinander anfangen können, werden die Ideen sprießen. Zum Beispiel könnte so ein Stammtisch als „mobiles Literaturcafe“ im Kreis Borken auf Reisen gehen. Und wenn dieses Cafe Anklang findet, wäre der nächste Schritt ein Literatur-Almanach für den Kreis.

LitBorken: Einen der aktuell angebotenen VHS-Kurse leiten Sie selbst. Es ist ein Kurs, in dem Sie, als Literaturwissenschaftler, Schreibende 3 Tage lang bei ihren Projekten begleiten. Welche Hilfestellung können Sie den Autoren in diesen 3 Tagen bieten?

Dr. Nikolaus Schneider: Mir geht es darum, dass die Teilnehmenden für ihr jeweiliges Ausdrucksbedürfnis die best mögliche sprachliche Form finden. Als Laie schreibt man gelegentlich an den eigenen Absichten vorbei, weil man eine unpassende Figur wählt, oder eine irreführende Erzählperspektive. Durch einen analytischen Blick auf die Texte kann ich derartige Zusammenhänge sichtbar machen. Der andere ganz wichtige Aspekt der Schreibwerkstatt ist das gemeinsame Lesen der Texte in einer Atmosphäre der Wertschätzung. Das steht jeweils am Nachmittag auf unserem Programm.

LitBorken: Zum Schluss eine persönliche Frage: Schreiben Sie selbst (Belletristik)?

Dr. Nikolaus Schneider: Ich schreibe Essays, die für mich zum Sortieren der Gedanken wichtig sind. Viele Jahre lang habe ich Gedichte geschrieben, die man wohl als „experimentelle Lyrik“ bezeichnen würde. Aber das ist im Moment nicht dran. Wenn ich viel Zeit habe und es in den Fingern juckt, kommt auch gelegentlich eine Kurzgeschichte zustande.

Dr. Nikolaus Schneider ist Literaturwissenschaftler und Direktor des aktuellen forum VHS mit Sitz in Ahaus.

Das aktuelle Literaturprogramm der VHS findet man hier