Jay Monika Walther

Jay Monika Walther begrüßt mich in einem ehemaligen Melkerhaus. Es ist gemütlich renoviert und es strahlt Wärme aus. Sie schickt mich eine schmale Treppe hinauf. Ich soll schon mal vorgehen. So lande ich in einem Arbeitszimmer, welches, wie mir scheint, nicht das einzige in diesem Haus ist. Und ich sehe gleich, sie liest nicht nur viel, sie malt auch. Auf einer Staffelei wartet ein angefangenes Bild auf die nächsten Pinselstriche und über dem, mit Büchern gefüllten, Regal schmeicheln mich fertige Kunstwerke an.

Überhaupt scheint sie vielseitig zu sein, die Autorin, die noch nicht in den Ruhestand gehen will. Obwohl sie das Alter hätte, meint sie. Geboren ist sie 1945 in Leipzig. Eigentlich bin ich bei ihr, um sie als 1. Vorsitzende der Autorinnenvereinigung e.V. über eben jene Vereinigung zu interviewen. Gleich zu Beginn unseres Gespräches schenkt sie mir zwei Bücher. Ich könne sie mitnehmen und wenn ich wolle, auch lesen. „Querfeldein“, ein Gedichtband (Geest Verlag) und „Goldbroiler“ eine KriminalGeschichte (Geest Verlag). 2009 erschien der Erzählband „Das Gewicht der Seele“ (Mentis Verlag). Die Liste ihrer Veröffentlichungen ist lang (siehe Biobib)

Jay M. Walther ist seit 1976 Schriftstellerin und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Sie schreibt Prosa und Lyrik und ist eine der bekanntesten deutschsprachigen Hörspielautorinnen. Das erzählt sie nicht selbst. Das lese ich später. Sie nimmt sich viel Zeit für mich, der unbekannten Autorin. Beantwortet geduldig meine Fragen und wir kommen schon bald auf Gesprächsthemen, die weiter gehen, als es das Interview vorsah. Auch, auf meine Arbeit und meine brennende Frage, wie genau ich mir mein schriftstellerisches Leben in Zukunft vorstelle.

In diesem einen Gespräch erfahre ich, ohne, dass sie es sagt, warum ausgerechnet sie Mitbegründerin der Autorinnenvereinigung ist. Ich erfahre es am eigenen Leib, sozusagen. Denn sie gibt mir so wertvolle Tipps für meine weitere Arbeit – aus ihrem, in Jahren gewachsenen, Erfahrungsschatz als Schriftstellerin – als hätte ich eben eine Beratungsstelle für Autoren aufgesucht. Das alles tut sie von sich aus. Man merkt, es liegt ihr am Herzen.

Als ich gehe, bin ich sicher, dass sie schon unzähligen Autorinnen mit ihren Ratschlägen geholfen hat und ich hoffe, diejenigen haben es ihr irgendwie gedankt. Ich jedenfalls habe eine gewisse Orientierungslosigkeit dort gelassen und den Mut zu einem eigenen schriftstellerischen Weg mitgenommen.