Autorinnenvereinigung e.V.

Eine Vereinigung speziell für das weibliche schreibende Geschlecht? Über Umwege durchs Netz führte mich meine literarische Spurensuche zu einer Vereinigung, dessen Sitz zwar Berlin ist, die jedoch über eine (eher lose) Gruppierung im Münsterland, in Form von Autorinnentreffen, verfügt. Die Rede ist von der Autorinnenvereinigung e.V. Laut Internetseite, ist die Autorinnenvereinigung das erste und einzige Netzwerk für Schriftstellerinnen und Autorinnen aller Genres, die in deutscher Sprache schreiben und publizieren.

Das machte mich neugierig. Und so bat ich die 1. Vorsitzende Jay M. Walther, die sozusagen „um die Ecke“ wohnt, um ein Interview und wurde herzlich willkommen geheißen. Naja – nicht wirklich um die Ecke. 45 Minuten Fahrt waren es schon von Reken bis Hiddingsel (Dülmen). Aber im Münsterland sind solche Entfernungen ja nichts. So herzlich, wie bei der ersten Kontaktaufnahme per Email, wurde ich von der bekannten und professionellen Schriftstellerin auch persönlich empfangen. In einem Arbeitszimmer voller Bücher sprechen wir über den Verein und Literaturförderung.

Eine Frage, die mich natürlich brennend interessiert: Haben es weibliche Autoren schwerer? Ihre Antwort ist ein eindeutiges ‚Ja‘. Die überall in der Gesellschaft anzutreffenden Ungleichheiten, wie schlechtere Bezahlung oder weniger Anerkennung bei gleicher Leistung von weiblichen gegenüber männlichen Kollegen, finden auch im Literaturbetrieb ihren Niederschlag. Auch wichtige Preise gingen meistens an Männer. Frauen hätten es schwerer. Ich hatte es mir schon gedacht.

Die Vereinigung ist vielfältig tätig. Es werden Lesungsveranstaltungen durchgeführt, wie beispielweise eine Lesereise durch das „Land der Dichterinnen und Denkerinnen“, Goldstaub-Wettbewerbe, die Organisation der internationalen Gespräche am literarischen Colloquium Berlin LCB, man initiiert die Vergabe des deutschen Schriftstellerinnenpreises und untersützt Autorinnentreffen, Lesungen, Weiterbildungen und vieles mehr. Einmal im Jahr vergibt sie ein Projektstipendium.

Auf die Frage, ob der Verein für seine Zielsetzung öffentlich gefördert würde, wirkt die Vorsitzende frustriert. Es wird wohl immer schwieriger. „Antragslyrik“, nennt sie es, die ellenlangen, komplizierten Antragsverfahren, die auf immer komplizierteren Wegen an wechselnde Empfänger gerichtet werden müssen. Mündlich zugesagte Förderungen fielen plötzlich weg. Manchmal wüsste man nicht, an wen man es richten solle. Die Arbeit und die Zeit, die der ehrenamtliche Vorstand des Vereins dafür aufbringen müsse, sei eigentlich nicht zumutbar.

Ob die Literatur ein Stiefkind der Kulturförderung ist, beantwortet sie, indem sie auf eine kleinere Ebene der Kulturförderung verweist. Dort würden Gelder, die für die Literatur gedacht seien, lieber auf andere Kunstsparten verteilt. Autoren, so das Argument, bräuchten ja nur Papier und einen Platz zum Schreiben. Wir seufzen. Es erinnert mich an einen Gedanken, den ich in etwa so irgendwo zum Thema Kulturhauptstadt Ruhr gelesen hatte – der Urheber möge mir verzeihen, dass ich ihn hier aus Vergesslichkeit nicht nenne – Die eigentlichen Gewinner sind die Veranstalter. Sie bekommen die Aufmerksamkeit, nicht die Künstler. Gefördert werden Events, bunte, gewinnbringende Veranstaltungen. Die Lesungen in Deutschland, so Jay M. Walther, seien von 30000 auf 10000 geschrumpft. Das meiste Geld dafür ginge an wenige gut bezahlte Trendautoren. Der Rest liest für wenig, eine Dunkelziffer gar umsonst. Das Thema reißt uns mit. Es ist schier unendlich.

Wie man Autorinnen helfen könne? Durch „Professionalisierung“, so ihre Antwort. Autorinnen bräuchten in dieser Hinsicht Hilfe. Aus Autorinnen müssten Profis werden. Aber das fördert kaum jemand. Besonders in Deutschland nicht. In anderen Ländern liefe es insgesamt besser, mit der Literaturförderung. Der Stellenwert der Literatur sei in vielen Ländern ein anderer. Allerdings, so bemerkt sie, auch dort ginge es hauptsächlich um Männer.

Vernetzung, also untereinander oder  z.B. auch durch einen Verein, sei wichtig. Gemeinsam erreiche man mehr. Gerade aber im Münsterland, erfahre ich, sind die Autorinnentreffen seltener, weil alle weit voneinander entfernt wohnen. Schade, denke ich, genau das hätte ich als einsame Autorin aus Reken mal schön gefunden. Trotzdem denke ich auf meinem Weg nach Hause darüber nach, ob ich der Autorinnenvereinigung e.V. beitreten soll.