Luzifer-Verlag Steffen Janssen: Dunkle Bücher

Was liegt näher, als den eigenen Verleger zu interviewen, hat man doch einen guten Draht und sitzt der Luzifer-Verlag Steffen Janssen (Ahlen) zwar nicht im Kreis Borken, aber immerhin im Münsterland.

Der Luzifer-Verlag Steffen Janssen ist ein noch junger engagierter Kleinverlag, der inzwischen das sechste sehr eigenwillige Buch veröffentlicht hat. Der Verlag verlegt fair und alle Bücher sind überall im Handel erhältlich. Dabei legt Verleger Steffen Janssen viel Wert auf die Optik und Haptik seiner Bücher.

LitBorken: Der Luzifer-Verlag verlegt Romane der “düsteren Art” – wieso gerade “düster”? Ist das aus einer persönlichen Vorliebe entstanden?

Steffen Janssen: Selbstverständlich. Ich liebe „dunkle“ Bücher. Dabei müssen diese nicht besonders grausam oder blutig sein. Persönlich ziehe ich den „subtilen“ Horror vor. Leider existieren sehr wenige wirklich lesbare Bücher dieser Gattung. Dies kann gern als Wink verstanden werden.

LitBorken: In welche Genre reicht diese “düstere Art”? Bist du auch offen für Programmerweiterungen, d.h. auch für weniger düstere Projekte?

Steffen Janssen: Ja. Ein interessanter Plot, der nicht zwangsläufig zu Mord und Totschlag führt, fasziniert mich gleichermaßen. Thematisch ist mir das dann ziemlich egal, wenn es intelligent und eben „anders“ geschrieben ist. Für jene „massenpublikumsuntauglichen“ Autoren habe ich den Verlag ja geschaffen.

 LitBorken: Die Bücher des Verlages fallen schon durch die außergewöhnlichen Cover und einen qualitativen Einband auf. Würde es sich für den kleinen Verlag nicht besser rechnen,  einfachere Taschenbücher zu produzieren?

Steffen Janssen: Kurzfristig und oberflächlich betrachtet – vielleicht. Doch mein persönlicher Maßstab ist ein anderer. Ich orientiere mich ungern an „allgemeinüblichen“ Vorgaben. Ich möchte einfach immer “mein Bestes” geben.

 LitBorken: Wie kommst du zu deinen Manuskripten bzw. wieviele unverlangte Manuskripte erreichen dich pro Woche/Monat? Wie ist die Qualität dieser Manuskripte und nach welchen Kriterien wird ausgewählt?

Steffen Janssen: Pro Woche sind es etwa 30-50 Manuskripte. Ich muss ehrlicherweise zugeben, es werden weniger. Dafür steigt die Qualität der Texte erheblich. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass im LUZIFER-Verlag nicht ALLES verlegt wird, wo ›Horror‹ draufsteht.

LitBorken: Welche vermeidbaren Fehler machen Autoren bei der Manuskripteinreichung?

Steffen Janssen: Eigentlich ist die Manuskripteinreichung ein recht einfacher Prozess: Leseprobe, Exposé, Vita. Fertig. Der Rest ist „Hoffen“.

Der – meines Erachtens – größte Fehler, der immer wieder begangen wird, ist eine unreife Leseprobe, die vor Fehlern nur so strotzt und entsprechend anstrengend ist. So etwas lese ich gar nicht mehr durch.

LitBorken: Der Luzifer-Verlag gibt unbekannten Autoren eine Chance. Finden inzwischen auch die Manuskripte bekannterer Autoren den Weg in deinen Postkasten?

Steffen Janssen: Nö, bisher nicht. Aber das ist nicht wirklich schlimm. Unbekannte Autoren „aufzubauen“ ist viel spannender. Die Zeit wird zeigen, was geschieht. Momentan bin ich an Lizenzen recht bekannter aktueller amerikanischer und englischer Horrorschriftsteller „dran“, aber ob ich das wirklich verlegen werde, steht noch in den Sternen. Man muss wissen, wo man steht, um nicht größenwahnsinnig zu werden ;)

 LitBorken: Wie eng ist der Kontakt zu den Autoren im Luzifer-Verlag?

Steffen Janssen: Ich hoffe, sehr eng, denn das ist mir wichtig. Auch wenn die Zeit manchmal nicht gegeben ist, so pflege ich doch regelmäßigen Kontakt zu allen Autoren. Dabei werden immer Wünsche, Erfahrungen und Anregungen ausgetauscht. Ein sehr, sehr wichtiger Teil meiner Verlagsarbeit.

LitBorken: Was kannst du Autoren bieten und was nicht?

Steffen Janssen: Ich biete eine faire Chance, als Autor wahrgenommen zu werden. Zaubern kann ich natürlich nicht und auch muss den Autoren klar sein, dass ein Kleinverleger zu einer (unterschätzten) „Randgruppe“ gehört. Noch gehört der deutsche Buchmarkt den Großverlagen – doch das wird sich ändern …

LitBorken: Gibt es auch schon mal Schwierigkeiten mit Autoren abgelehnter Manuskripte?

Steffen Janssen: Oh ja … doch näher möchte ich darauf nicht eingehen – habe gerade keine Betablocker in greifbarer Nähe …

LitBorken: Mit welchen Schwierigkeiten kämpft ein Kleinverlag im Literaturbetrieb?

 Steffen Janssen: Schwierigkeiten? Welche Schwierigkeiten?

Nein, ernsthaft: sicherlich ist es wie in jeder anderen Branche auch. Der Kleinverleger möchte wachsen, der Großverlag seine Stellung behaupten – der biblische Kampf ›Gut‹ gegen ›Böse‹ eben. Wir wissen ja alle, wer gewinnt (Hollywood sei dank).

LitBorken: Von der Gründung 2011 bis heute hat der Luzifer-Verlag sich seinen Platz im Literaturbetrieb in relativ kurzer Zeit erobert. Kannst du von einem Erfolg sprechen?

Steffen Janssen: Hmm … Erfolg ist ein verdammt langwieriger Prozess. Nein, davon möchte ich wirklich noch nicht sprechen. Der Verlag trägt sich, das ist im Moment aber auch schon alles. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich ein „geschäftlicher“ Erfolg einstellen kann. Für mich persönlich habe ich allerdings jetzt schon sehr viel gewonnen.

LitBorken: Ab wann hattest du das Gefühl, als Verleger ernst genommen zu werden?

Steffen Janssen: Als Michael Dissieux (Graues Land) mir im Frühjahr sein zweites Manuskript anbot – ohne “Wenn und Aber”. Da wusste ich, es ist geschafft.

LitBorken: Welche Projekte bzw.  Bücher werden den Leser in der nächsten Zeit erreichen?

Steffen Janssen: Momentan habe ich 11 offene (geplante) Projekte. Darunter ein düsteres Märchen, eine (wirklich abgefahrerene) Sex-Science-Fiction-Geschichte und eine (ziemlich kranke) Horrorgeschichten-Sammlung. Desweiteren zwei neue, thematisch sehr interessante Thriller. Ich mag es eben „anders“.

LitBorken: Welche Bücher stehen in deinem Bücherregal?

Steffen Janssen: Tatsächlich weniger Horror. Ich mag Noah Gordon sehr und lese gern Bücher aus der Zeit um 1900. „Der große Regen“ fällt mir da spontan ein. Daneben meine „Klassiker“ von King und Barker und so anderes Zeugs (Kamasutra etc.) – was eben jeder so zu Hause stehen hat ;)

 LitBorken: Was macht ein Verleger, wenn er gerade nicht arbeitet?

Steffen Janssen:  Schlafen (biologische Notwendigkeit) – leider …

Der Luzifer-Verlag Steffen Janssen in Ahlen wurde 2011 gegründet und verlegt Bücher “der düsteren Art” verschiedener Genre. In der neuen Thrillerline werden auch entsprechend düstere Krimis und Thriller erscheinen.